Andächtig steht der Betrachter vor der Keschhütte und schaut in der Abenddämmerung auf den 3418 m hohen Piz Kesch. Ruhig und majestätisch ragt er über den seit Jahrtausenden im Schatten seiner Flanken liegenden Gletscher, der sich tapfer gegen die steigenden Temperaturen stemmt. Kaum vorstellbar, dass sich der Kesch vor gut fünf Wochen einmal kräftig geschüttelt und dabei rund 200 Tonnen Fels über die Aufstiegsroute donnern liess.
Aber fangen wir von vorne an. Am Samstag, 29. August 2026, um ca. 09.30 Uhr stiegen wir vier im Dürrboden im Dischmatal aus dem Postauto. Unter kundiger Führung von Jana, die in dieser «hübschen» Gegend aufgewachsen ist, machten wir uns bei strahlendem Wetter auf den Weg zur Keschhütte. Unterwegs erzählte uns Marek von der slowakischen Hohen Tatra und wie er nach Bülach kam. Stefi fand die von uns allen geliebten «Heuberi», auch bekannt als Blaubeeren, welche wir mit Genuss verdrückten. Sogar für ein Fussbad im klaren Gebirgsbach reichte die Zeit. In der Keschhütte herrschte reger Betrieb. Offenbar waren jedoch nur wenige bereit, am nächsten Morgen auf den Piz Kesch zu steigen. Jana hatte sich umfassend mit der aktuellen Situation am Kesch beschäftigt, vorgängig auch mit dem Hüttenwart gesprochen und sich aufgrund der möglichen Steinschlaggefahr entschieden, auf eine Besteigung des Piz Kesch zu verzichten. Ein alternatives Ziel hatte sie aber bereits im Köcher: den Piz Forun gegenüber dem Piz Kesch. So machten wir uns am Sonntagmorgen um 05.30 Uhr auf zum Piz Forun. Auf Steinbockpfaden erreichten wir über die Krete den Gipfel gerade rechtzeitig und wurden mit einem atemberaubenden Sonnenaufgang belohnt. Im Licht der aufgehenden Sonne schien selbst der Kesch den Menschen gegenüber wieder etwas versöhnlicher gestimmt. Auf dem Rückweg gab es eine kurze Rast bei der Keschhütte, bevor wir uns auf den Weg Richtung Porchabella-Gletscher im Schatten des Piz Kesch machten. Beim Gletscher angekommen, frischte Jana unsere Kenntnisse über das Begehen eines Gletschers und die entsprechenden Sicherungstechniken fachkundig auf. Fredi wurde dabei mit viel Geduld von seinem etwas eigensinnigen Knoten zum eigentlichen «Führerknoten» geführt. Die Gelegenheit auf dem Gletscher nutzten wir auch gleich, um das gehen am Seil zu üben. Dann hörten wir plötzlich wieder das Schütteln des Kesch, der sich mit Getöse von weiterer schwerer Last befreite. Wir waren froh, dass wir uns auf der anderen Seite des "grummeligen" Kesch befanden. Vom Gletscher gelangten wir direkt zum mit Ketten gesicherten Aufstieg zur Porta d'Es-cha auf 3008 m. Von dort ging es steil bergab und über Geröll in Richtung Zuoz. Natürlich kamen wir ganz eidgenössisch rechtzeitig zum Mittagessen in der Es-cha-Hütte an. Um 12.30 Uhr machten wir uns schliesslich auf den Weg ins Tal, wo in Zuoz sogar noch Zeit für eine fantastische Schwarzwäldertorte in der besten Bäckerei im Tal blieb. Um 15.00 Uhr ging es mit vielen schönen Erinnerungen an diese Tour im Gepäck mit dem Zug – ganz in SAC-Manier – wieder Richtung Rinsberger Heimat … mit Ausnahme vom Züribiet und dem Prättigau.
Und zum Schluss bleibt nur: Danke, Jana – für die umsichtige Führung und die gelungene Alternative. Respekt!

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